Christoph Tannert, Konzepte zwischen Selbstbeobachtung und Sinnestäuschung, 2014 
Ruzica Zajec überrascht uns mit sensibel gestellten Wahrnehmungsfragen. Sie arbeitet mit diversen Materialien, aber 
bevorzugt mit Glas in unterschiedlichen Formen. Mit ihren Bildobjekten konstruiert sie neue Räume, irritiert uns, lässt uns 
staunen wie viele Verschiedenheiten die wahrnehmbare Wesenheit eines Kunstwerkes in Glas auszubilden vermag und bringt 
uns das scheinbar Gewöhnliche neu zu Gesicht. In künstlerischer Autonomie konzipiert Ruzica Zajec die Illusion in Bezug auf 
das gewählte Ausdrucksmedium. Sie allein verfasst die Parameter dessen, was ihre Werke definiert. Werkentwicklung, Selbstbeobachtung und Sinnestäuschung gehen dabei Hand in Hand. Ihre Werke des Jahres 2014 bestehen aus zwei Ebenen – 
einer Spiegelfläche und einer Glasfläche. Beide Flächen wurden bemalt und anschließend partiell wieder ausgekratzt. So kommt 
es zur Überlappung der bearbeiteten Flächendetails und zu einer spannungsvollen Interaktion der entstandenen Formen auf 
beiden Bildträgern. Die fließenden Übergänge, das Unberechenbare und ins Offene Weisende liegen der Künstlerin am Herzen. 
Wenn man ihr bisheriges Werk Revue passieren lässt wird klar, dass ihr malerisches und zeichnerisches Engagement und die Bewusstmachung der menschlichen Präsenz im Raum, wie sie in den Bild- und Raum-Objekten thematisiert wird, nicht 
voneinander zu trennen sind. Das Nachdenken der Künstlerin über die Wesenheit unseres Seins, über das tatsächlich Sichtbare 
und das eigene Gewahrwerden in der Welt führt zu fein modulierten Exponaten. Ihre Begeisterung für das Transparente wie 
für das Mehrschichtige, für die Spiele des Lichts und mit Licht spiegelt ihre Sensibilität wieder, mit der sie vom Zauber und den Geheimnissen kündet, die sich scheinbar mühelos in der Kunst „bilden“. Ihre Fragen und Anregungen gehen in diverse Richtungen. Jede ihrer Bildoberflächen wird durchsichtig für Hintergründe, Irritationen, Auswischungen und all die modernen Äquivalente, 
die in Rätseln enden, welche verschiedene Deutungen zulassen.

Claudia Schönfeld, Gegenwart, 2014
Ruzica Zajec sprengt mit ihren Arbeiten die dritte Dimension. Sie erfordern vom Betrachter nicht nur ein Betreten des künstlerischen Raums, sondern ein bewusstes Agieren mit diesem. Konsequent verwendet die Künstlerin transparente, durchscheinende oder spiegelnde Materialien wie Glas, Cellophan oder Transparentpapier, die mehrere Ebenen der Wahrnehmung erlauben. Spielt sie zwar mit Interferenzen und optischen Täuschungen in der Tradition der Op-Art, so ist sie jedoch am bloßen Effekt der Irritation nicht interessiert. Visuelle Irritation ist immer direkt mit der eigenen künstlerisch epistemischen Positionierung sowie der Interaktion mit dem Betrachter verbunden. Dieser Austausch erfolgt nicht nur in räumlichem Zusammenhang sondern auch in kontextuellem, emotionalem und zeitlichem. Ruzica Zajec steht insofern Künstlern wie Olafur Elliasson oder François Morellet näher als den Protagonisten der Op-Art. Licht und Bewegung im Raum sind dabei zentrale Elemente ihrer Formsprache.
Fragiles Glas oder andere durchsichtige Materialien kontrastieren mit einer reduzierten Farbpalette von opakem Weiß, Schwarz, 
Blau, Grün und Rot. Die Arbeit Brise aus dem Jahr 2014 zeigt wellenförmig strukturierte, schwarze Noppen auf einer spiegelnden Glasfläche, die sich optisch von diesem Untergrund zu lösen scheinen und eine neuen virtuellen Raum öffnen. Der Betrachter sieht sich selbst und den realen Raum im Trägermaterial gespiegelt, außerdem nimmt er durch das Glas die Struktur der Wand darunter wahr. In seiner Bewegung und im sich wandelnden Licht fallen die schwarzen Punkte nun wie eine Brise über ihn und geben eine weitere, nicht räumliche sondern sensorische und kontextuelle Dimension frei.
In ihren neueren Werken wählt die gebürtige Kroatin feinsinnig deutschsprachige Titel aus, die subtil den eigentlichen Wortsinn definieren und eine kontextuelle Ebene öffnen: In der Arbeit Verzeihe mir lassen feine, in den textilen Untergrund gestochene Metallnadeln physischen Schmerz gewahr werden. Die Fotomontage Einfluss zeigt nicht nur den wörtlichen Sinn, in dem 
Wasser in einen Fluss einfließt, sondern auch den metaphorischen: mittels vieler kleiner Wassermengen kann und sollte Einfluss ausgeübt werden.
Ein zentrales Werk im Schaffen der Künstlerin ist die Arbeit Berührung aus dem Jahre 2003: Eine weiße Hand greift in einem gläsernen, zur Hälfte mit Wasser gefüllten Kasten durch die Wasseroberfläche, dabei wandelt sich ihre weiße, eintauchende Haut
in schwarze. Leitmotive in Ruzica Zajecs Oeuvre sind das Durchdringen eines neuen Mediums, der Prozess des kontinuierlichen Wandels und der Fakt, das „nichts ist, wie es scheint“. Derzeit ist Zeit eine Dimension, die zunehmend in das Gesichtsfeld 
der Künstlerin rückt mit Arbeiten wie Seit Jahren, und die „Gegenwart“ an sich relativ werden lässt.

Hubert Steins, Perspektivwechsel - Raumperspektiven im Werk von Ruzica Zajec, 2011
Die zeitgenössische Kunst bewegt sich zwischen Aneignung und überwindung, zwischen Ablehnung oder liebevollem Recycling jener Strömungen, welche klassische Moderne und die Nachkriegskunst des 20. Jahrhunderts hervorgebracht haben. Deshalb 
gehört es heute zu den schwierigen Aufgaben von Künstlern und Künstlerinnen, auf der Basis all jener lsmen des 20. Jahrhunderts eine originäre, eigenständige Position einzunehmen. Heute nun verdanken wir dem am Ende des 20. Jahrhunderts vielfach beschworenen "Anything goes" der Postmoderne einen reichhaltigen Stilpluralismus, der oft durch Zitat und Stilkombination 
zu originellen Positionen führt; ein Stil-pluralismus, der Dank des großen Einflusses der Pop-Art eine Renaissance der gegen-ständlichen Kunst herbeiführte. Lange schon darf wieder figurativ gemalt werden, aber abgesehen von den realistischen Strömungen kann dies nicht mehr mit mimetischer Absicht erfolgen. 
Die zeitgenössische Malerei bleibt der Moderne verpflichtet, denn individuelle Handschrift und Farbgebung sind Errungenschaften des lmpressionismus und Expressionismus, und aktuelle konstruktive oder polyperspektivische Experimente bleiben zwangsläufig dem Kubismus verpflichtet, der die seit der Renaissance gebräuchliche Zentralperspektive als mächtiges Werkzeug des lllusionismus liquidierte. Zwar ist die perspektivische Darstellung heute nach wie vor obligatorischer Bestandteil einer künstlerischen Ausbildung, aber gerade weil die Zentral-perspektive ihrer illusionistischen Funktion entbunden ist, kann sie selbst in der Kunst eigentlich nur 
noch phänomenologisch thematisiert werden. Dann aber ist zwangsläufig Bezug auf die abstrakt-konstruktivistische Tradition der Kunst, auf Richtungen wie die Konkrete Kunst, die Farbfeldmalerei und die Op-Art Bezug zu nehmen. Um auf ganz eigene Weise 
in lnstallationen und Glasbildern dem Phänomen perspektivischer Wahrnehmung nachzugehen, greift zweifellos auch Ruzica Zajec 
in ihren Arbeiten auf die oben genannten Stilrichtungen zurück. 
Es liegt in der Natur der Sache, dass Ruzica Zajecs Werke still sind, denn sie haben uns nur dann etwas zu sagen, wenn wir sie aktiv befragen. Dann aber entzündet sich an ihnen ein Nachdenken über die Funktionsweise unserer Wahrnehmung. Hierfür nutzt Ruzica Zajec zum Teil Phänomene, die bereits Mitte der 60er-Jahre des letzten Jahrhundert in der Op-Art künstlerisch erforscht wurden, etwa die für ihre räumlich gestaffelten Glasbilder charakteristischen Moiré- und lnterferenzeffekte, die dank der überlagerung rhythmischer Muster durch kleinste Positionsveränderungen des Betrachters ihre Bilder dynamisieren. Waren die Wahrnehmungs-experimente der Optical-Art vorwiegend kinetischer, elektronischer oder graphischer, also maschineller Natur, so gelingt es Zajec, eine maschinell reproduktive Anmutung zu umgehen, indem sie ihre Streifenmuster akribisch mit der Hand schabt und so gewissermaßen handschriftlich aufwertet. Während diese kleinformatigen, sehr dezenten Arbeiten ihren arbeitsintensiven, hoch konzentrativen Entstehungsprozess nobel verbergen, thematisieren einige lnstallationen die Paradoxien räumlicher Wahrnehmung durch einen pointierten, geradezu provokant einfachen Produktionsprozess. Arabeske nannte Zajec eine Glasinstallation aus dem Jahre 2010, die zum Einen aus einer türblattgroßen Glasscheibe besteht, die schräg an die Wand gelehnt wurde, und zum Zweiten aus einer nur halb so hohen quadratischen Scheibe, die ausgehend vom Wandsockel leicht versetzt in gegenläufige Richtung gegen die Hinterseite der höheren Glasplatte gelehnt wurde. Zajec manipulierte diese giebelartig gegeneinander gestellte Konstruktion durch einen kleinen Eingriff von verblüffender Einfachheit, aber großer Wirkung: lndem sie die Position einer Seitenkante der hinteren Platte als Strich auf die Rückseite der vorderen Platte spiegelte, störte sie die für den Betrachter eigentlich leicht nachvollziehbare geometrische Konstruktion des Arrangements empfindlich. Unversehens erhält die lnstallation Qualitäten eines Vexierbildes, bei dem nicht mehr genau entschieden werden kann, auf welchen räumlichen Positionen die Kanten der Glasplatten verlaufen. 
Es sind solche optischen lrritationen, die in unterschiedlicher Ausprägung in den Werken Zajecs auftauchen, so auch in ihrer 2009 entstandenen Schaufenster-installation Fatamorgana, in der zahlreiche rechteckige Farbtafeln in räumlicher Staffelung in ein 
Fenster gehängt wurden. Auch wenn diese Arbeit im lnnenraum installiert wurde, so ist ihr Kern keineswegs im lnneren des Ausstellungsraums zu finden. Der Blick von außen auf und durch die Scheibe offenbart, dass Fatamorgana erst im Zusammenspiel mit den auf der Scheibe gespiegelten Häusern der Umgebung zu einer gleichsam virtuellen Farbfeldintervention im städtischen 
Raum mutiert. 
Zweifellos besteht der materielle, von der Künstlerin gestaltete Anteil ihrer lnstallation Fatamorgana aus den Farbtafeln, die in das Fenster gehängt wurden. Das Zusammenspiel von Farbe und Fensterscheibe aber verdeutlicht, dass die Beschaffenheit des Glases, seine transparente, immaterielle Anmutung bei gleichzeitiger Möglichkeit, das Gegenüber zu spiegeln, hier den wesentlichen Aspekt der Arbeit darstellt. 

Dr.Beatrix Nobis, Hinter den Spiegeln, 1998
Spiegel sind dienstbare Geister. Bereitwillig reflektieren sie alles, was in ihr Gesichtsfeld gerät. Ihr Dasein ist nützlich und von begrenzter Notwendigkeit und doch auf seltsame Weise vielschichtig. Hinter den Spiegel zu treten und eine neue Dimension 
zu entdecken, ist eine Vorstellung, die nicht nur die kindliche Phantasie beschäftigt. Spiegelt man Spiegel ineinander, so entsteht 
eine unendliche Reihung, ein Sinnbild des sich grenzenlos ausdehnenden Raums. Ruzica Zajec arbeitet, in formal strenger Geometrisierung, mit dem Spiegelmotiv und emanzipiert es aus seiner untergeordneten Funktion. Verborgen unter Schichten aus farbig gefaßten Glasscheiben, in Objektkästen schimmernd, versteckt und überlagert, verweigert der Spiegel seine ihm abverlangte Aufgabe. Nun wird er selbst zum eigenwilligen Gegenpart des Betrachters. Er ist das Auge, daß blicklos nach außen sieht, ein nicht mehr reagierendes, sondern agierendes Element mit Anspruch auf Autonomie. Exaktheit und Verzerrung, Wahrheit und Lüge des Spiegels verlieren sich in seiner Selbstreflexivität. Der Betrachter fühlt sich alleingelassen. Ihm scheint sein Ebenbild entzogen 
und in die Tiefen des Objekts verbannt. Das Spiel mit der Identität, das Ruzica Zajec so ästhetisch perfekt spielt, enthält den 
durchaus beklemmenden Aspekt des möglichen Selbstverlustes.